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CO2-Bilanz der IT-Branche

Ich werde immer wieder gefragt: Wie hält es eigentlich Deine, also die IT-Branche, mit dem Klimawandel, also dem Ausstoß vom klimaschädlichem CO2?

Jede E-Mail, jede Suchanfrage bei Google, jedes Scrollen bei Facebook, jedes Video bei YouTube und Netflix verbraucht eine gewissen Energie, und aufgrund der stark steigenden Nutzung dieser Dienste ist das ein starker Anteil am Energieverbauch.

Hinweis: Andere Nachhaltigkeitsaspekte abseits der CO2-Problematik möchte ich in diesem Blogpost nicht behandeln, wohlwissend, dass es da Defizite gibt (z.B. Herstellung der vielen Akkus [Seltene Erden, Abbaubedingungen] in Smartphones, Tablets, Notebooks, … oder die gesellschaften Fragen, wie wie die freigesetzte Arbeitskraft durch die Digitalisierung kompensieren oder wie die Diskussionskultur durch die “sozialen” Medien verrohen).

Meine Aussage lautet zusammengefasst:

„Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass meine Branche passiv positive Auswirkungen auf die Reduktion von CO2 hat.“

Ich möchte es erklären:

Zu aller erst: wie ist der Status Quo?

Zahlen findet man beim Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, hier die aktuellste Präsentation (Oktober 2019) mit den neuesten Zahlen zu dem Thema:
https://www.bmwi.de/Redaktion/DE/Downloads/Energiedaten/energiedaten-gesamt-pdf-grafiken.pdf?__blob=publicationFile&v=38

Aktuell ist die IKT-Branche (IKT = Informations- und Kommunikationstechnik) für 2,3% des Energieverbrauches in Deutschland verantwortlich. Die Tendenz wird aufgrund der steigenden Digitalisierung sicherlich steigend sein.

Quelle: https://www.bmwi.de/Redaktion/DE/Downloads/Energiedaten/energiedaten-gesamt-pdf-grafiken.pdf?__blob=publicationFile&v=38

Die historische Entwicklung der Anteile kann man unter https://www.bmwi.de/Redaktion/DE/Binaer/Energiedaten/Energiegewinnung-und-Energieverbrauch/energiedaten-energiegewinnung-verbrauch-5-xls.xlsx?__blob=publicationFile&v=23 nachlesen (Achtung: Ist eine Excel-Datei). Interessanterweise bleibt IKT in absoluten Zahlen recht konstant, aber durch den allgemeinen Energie-Rückgang wird IKT relativ weiter zunehmen. Aber die Bedeutung der IKT im Alltag nimmt ja auch weiter zu.

 

CO2-Senkung trotz Steigerung?

Wie kann die steigende Energieintensität dann für eine Senkung des CO2-Ausstoßes sorgen?

„Weil Digitalisierung eigentlich Prozessoptimierung ist, und in allen Bereichen aufgrund dieser Optimierung die Energieintensität kontinuierlich sinkt.“

Quelle: https://www.bmwi.de/Redaktion/DE/Downloads/Energiedaten/energiedaten-gesamt-pdf-grafiken.pdf?__blob=publicationFile&v=38

 

Am Beispiel K&K Software AG

Ich möchte das zuerst am Beispiel meines eigenen Unternehmens, der K&K Software AG, darstellen. Wie sorgen wir in der Gesellschaft für sinkenden CO2-Ausstoß:

Angefangen hat es Mitte der 00er Jahre, also ca. 2005: Fernwartung setzte sich durch. Man musste nicht mehr bei jeder Störung zum Kunden fahren, sondern konnte sich über das Internet auf die PCs und Server aufschalten.
Bin ich vorher ca. 50.000 km pro Jahr gefahren, hat sich das seitdem auf ca. 25.000 km reduziert. Das dürfte sich bei jedem IT-Techniker widergespiegelt haben.

Ab ca. 2007 war das Internet das Präsentationsmedium der Wahl, und das dürfte das letzte Mal gewesen sein, dass ich auf einer großen IT-Messe war. Viele haben es wie ich gemacht: sich diese Fahrten zu den Messen erspart und sich stattdessen im Internet informiert, und 2018 wurde die CeBit eingestellt.

Ab ca. 2010 hat sich der Trend der Virtualisierung durchgesetzt. Die Serverräume bei den Kunden wurden auf einmal leer. Statt 40 physikalischer Server wurden diese virtualisiert und auf 3 Hochleistungsservern als virtuelle Maschinen betrieben. Die verbrauchten vielleicht doppelt so viel Strom, also wie 6 bisherige Server, aber dafür konnten 40 Server abgeschaltet werden. Als “kleiner” Nebeneffekt auch die Klimatisierung dafür.

2015 hat sich Videokonferenz langsam durchgesetzt: Wir machen immer mehr Meetings mit unseren Kunden virtuell. Jedes Notebook hat eine Webcam, alle unsere Besprechungsräume habe eine Webcam und die Kunden nehmen es immer mehr an. Das spart viele Fahrten zwischen den Kunden.

2017 startete der Cloud-Trend in der Breite: Wie bei der Virtualisierung in den Kundenrechenzentren werden jetzt die Serverinfrastrukturen in die Cloud verlagert und wieder gibt es die Effekte: die letzten 3 physikalischen Kundenserver werden eliminert und in der Cloud mit tausenden anderen Kunden unter perfekter Ausnutzung der Hardware komplett virtuell betrieben. Und in der Regel nicht mal als exklusive virtuelle Maschine, sondern nur noch die effektiv benötigten Dienste von Millionen Kunden werden zusammengelegt in Diensten wie Dropbox, Office365, Exchange Online, G-Suite mit Google Docs.
Dadurch wachsen die Rechenzentren und deren Stromverbrauch, aber ein Vielfaches wird bei den Nutzern zuhause und in den Büros eingespart.

Gleichzeitig ermöglicht der Cloud-Trend viel stärkere moderne Arbeitsplatzkonzepte wie Homeoffice, die wieder Ressourcen einsparen: Weniger Fahrten zur Arbeit, weniger zentrale Arbeitsplätze in Unternehmen (die werden bei “Modern Workplace” oft “überbucht”).

 

Beispielhafte Projekte mit CO2-Senkungseffekten

Das war eher abstrakt. Jetzt etwas konkreter auf Projektebene:
Mein Unternehmen digitalisiert Prozesse in Unternehmen. Wir sind sehr stark in der Industrie. Was machen wir da so?

  1. Wir entwickeln Apps für Lagerlogistik, die Aufträge für Gabelstablerfahrer optimieren um Fahrten zu reduzieren.
  2. Wir digitalisieren die Reihenfolgeplanung und Optimierung von gigantisch großen Härteöfen in der Metallverarbeitung, die sehr viel Energie verbrauchen. Durch die digitale Reihenfolgeplanung haben sie eine bessere Auslastung und somit erheblich weniger Energieverbauch pro Auftrag.
  3. Auch wenn das papierlose Büro noch lange Zeit eine Utopie sein wird, so schaffen wir sehr viele Papierprozesse ab und sparen so viel Energie bei der Papierproduktion und Papiertransport ab.

Womit ich mich nicht beschäftige, aber andere IT-Unternehmen:

  1. Optimierung der Logistik zur Vermeidung teurer Leerfahrten ⇒ spart CO2
  2. Optimierung der Bestellung und Düngung von Ackerflächen ⇒ spart CO2
  3. Überhaupt: die Steuerung der Stromnetze zur Energiewende mit der dezentralen Energieerzeugung ist nur noch mit Mitteln der Digitalisierung möglich.
  4. Ebenso funktioniert jeder effizienter werdender Antrieb (z.B. Kraftstoffeinspritzung in Motoren) nur noch mit Software.

Quelle: https://www.bmwi.de/Redaktion/DE/Downloads/Energiedaten/energiedaten-gesamt-pdf-grafiken.pdf?__blob=publicationFile&v=38

 

Was macht K&K Software AG im Kleinen?

  1. Beleuchtung (die laut der ersten Grafik oben mehr Energieverbrauch als IKT verursacht): Wir haben über 100 Leuchtstöffröhren mit 58 Watt Energieverbrauch durch LED-Röhren mit 20 Watt Energieverbrauch ausgetauscht.
  2. Wir achten bei der Auswahl von Komponenten (v.a. Prozessoren, Netzteile) auf den Energieverbrauch. Gerade Geräte, die lange eingeschaltet sind, werden mit besonders energiesparenden Prozessoren ausgestattet. Ich selbst habe zuletzt am Desktop-PC einen etwas langsameren, aber erheblich stromsparenden Prozessor benutzt. Jetzt arbeite ich nur noch am Notebook, das noch mal weniger Energie verbraucht.
  3. Wir kaufen nach Möglichkeit unsere Autos (statt sie zu leasen) und fahren sie länger als die typischen 3 Jahre (zuletzt >10 Jahre).
  4. Wir haben unsere Cloud-Lösungen und die unserer Kunden im Rechenzentrum von Hetzner gehostet. Hetzer betriebt seine deutschen Rechenzentren CO2-frei aus Wasserkraft: https://www.hetzner.de/unternehmen/umweltschutz/

 

Google

Google hat die weltweit größten Cloud-Ressourcen (=Rechenzentrumskapazitäten) mit der Google-Suchmaschine, YouTube-Videodienst, G-Suite/G-Drive-Cloud-Lösung, Android-Playstore, Google-Cloud-Platform und wird als Negativbeispiel für die Klimaschädlichkeit der IT-Branche angeführt.
Google wirbt bei https://sustainability.google/intl/de/environment/, dass sie seit 2007 klimaneutral seien, seit 2017 zu 100% erneuerbare Energien benutzen und auch sonst ihren ökologischen Fussabdruck durch viele Nachhaltigkeitsprojekte ständig senken.

Quelle: https://www.google.com/about/datacenters/

Hier die Statusberichte anderer IT-Schwergewichte:

 

Bitcoin & Blockchain

Ich habe bereits 2017 (vor dem Bitcoin-Hype) analysiert, warum Bitcoin (und andere Coins und viele Blockchain-Konzepte) keine Relevanz erlangen können. U.a. habe ich damals ausgeführt:

  • “Ziel der Gesellschaft ist es, Energie einzusparen und Mining bedeutet Kraftwerksleistung 1:1 in Coins zu verwandeln”
  • “Coins = vergiftete und zerstörte Umwelt”

Mein Blockchain-Vortrag von 2017: https://docs.google.com/presentation/d/1KlVobaO_nVsn9F4ms3_adVK8IMXCT3wmTAB7FfZv6Uk/edit?usp=sharing

 

Energiemix

Einen generellen Gedanken möchte ich abschließend noch ausführen:
Die IT-Branche verbraucht quasi primär Strom, und der CO2-Ausstoß ergibt sich so primär aus dem Drittelmix mit den Kohle- und Gaskraftwerken im Stromnetz. Hier steigen wir als Gesellschaft ja früher oder später aus und auf dem Weg dahin reduzieren wir ständig den Anteil fossiler Energieträger. Je grüner der Strom wird, desto grüner wird die IT-Branche “von alleine”.

Quelle: https://www.bmwi.de/Redaktion/DE/Dossier/erneuerbare-energien.html

Den Bundestag verkleinern?

100% Zustimmung zu der Rede von Philipp Amthor, das sage ich auch seit Jahren:
Die Idee für die Zusammensetzung des Bundestages war mal: 299 Direktmandate aus den Wahlkreise und 299 Listenmandate werden separat per Erst- und Zweitstimme gewählt und bilden zusammen den Bundestag.
Heute haben wir 299 Direktmandate und 410 Listenmandate, da defacto nur noch das Zeitstimmenergebnis zählt und die Direktmandate für die verhältnismäßige Zusammensetzung des Bundestages irrelevant sind.

Dabei sind die Direktmandate wirklich basisdemokratisch, ich als Kreis-Delegierter vom Ortsverband wähle die Personen im Kreis und somit unseren Direktkandidaten. Da redet niemand von außen mit rein. Wer in der Region gut ist, kann ich durchsetzen.
Die Listenaufstellung dagegen erfolgt durch die Partei in München.
Nur die Direktkandidaten müssen sich im Wahlkreis wirklich bemühen, müssen Präsenz zeigen, müssen für die Bürger greifbar und ansprechbar sein, da sie sonst direkt abgewählt werden.
Die Listenkandidaten dagegen haben entweder einen sicheren Listenplatz (oder eben nicht), und sind somit viel stärker vom Wohlwollen der Partei abhängig statt von den Wählern und können sich so viel weniger eigene Meinungen erlauben sondern müssen viel mehr „Parteisoldaten“ sein.

Leider ist es vermutlich zu spät wieder zum Grundgedanken der Väter des Grundgesetzes zurückzukehren, die eine Hälfte vom Bundestag direkt in den Wahlbezirken wählen zu lassen und nur die andere Hälfte über die Listen, da die Mehrheit für eine Grundgesetzänderung nicht mehr zustandekommen wird.
Die kleineren Parteien müssten ja ihre eigenen Sitze abschaffen, wenn es nur noch 299 statt 410 Listenplätze gäbe.
Z.B. die CSU ist durch die Regelungen ausschließlich über Direktmandate vertreten, obwohl sie auch zahlreiche Listenstimmen bekommen hat.

Dabei wären die Vorteile immens und wünschenswert:
1) Der Bundestag hätte seine 598 statt aktuell 709 Abgeordneten (und durch die Parteien-Zersplitterung werden es zwangsläufig immer mehr werden).
2) Es gäbe wieder klarere Mehrheiten, statt endloser Kooalitionsverhandlungen zwischen 3 Parteien.
3) Es gäbe wieder wechselnde Mehrheiten statt endloser großer Koalition
4) Gerechter: Die Erststimmen bestimmen das Erststimmenergebnis, die Zweistimmen das Zweitstimmenergebnis. Aktuell zählen ausschließlich die Zweitstimmen und es wird so weit aufgefüllt, bis die „störenden“ direktgewählten Erststimmenabgeordneten bis auf das Maß der Zweitstimmenergebnis zurückgestutzt sind. Und es ist sofort im Laufe des Abends klar, ob eine Koalition eine Mehrheit hat oder nicht, da es eben keine zahllosen Ausgleichs und Überhangmandate gibt.

Hier das Video von Philipp Amthor:
https://www.facebook.com/amthor.philipp/videos/732371077233385/
Leider kann man daran nichts mehr ändern und die kleinen Parteien wollen es ja ins Gegenteil verkehren und die direktdemokratisch gewählten Wahlkreisabgeordneten weiter zurückdrängen und so die Erststimme noch irrelevanter machen.

Segelflug mit Raubvögeln

Man kann nicht vermitteln, wie großartig es ist, im Segelflugzeug gemeinsam mit Raubvögeln im gleichen Aufwind zu kreisen.

Heute war wieder so eine Wetterlage, bei der es recht wenig Thermik gab und dann waren oft ein Dutzend Raubvögel im Aufwind und man konnte ihnen immer hinterher fliegen um den besseren Aufwind zu finden (mit „die“ im Video meine ich auch die Vögel).

Ich habe mal versucht, es mit dem Handy zu filmen, aber wenn sie zu nah sind (oder man im Handy ranzoomt), hat man nebendran vorbeigefilmt oder der Autofokus nicht scharf gestellt und wenn sie einige Meter weiter weg waren, erkennt man sie kaum in dem weitwinkligen Bildausschnitt. Auf jeden Fall auf Vollbild vergrößern, um die Vögel erkennen zu können.